Von Diamanten und Kohlen: Weltmeister und Kumpel - Unsere Islandpferde

Eldur vom Schwäbischen Wald

 

„Ein Fuchs, eher unspektakuläres Gangpotential in jungen Jahren aber sehr schön und elegant“– so beschreiben Ralf und Nadja Wohllaib ihre erste Begegnung mit Eldur vom Schwäbischen Wald. Heute können sie wohl getrost das Gegenteil über die Gänge des Hengstes behaupten. Insgesamt acht deutsche Meistertitel im Fünfgang und beim Gaedingakaeppni, drei Titel bei den Mitteleuropäischen Meisterschaften und zwei Erfolge als Gesamtsieger des Passchampionats bilden nur eine Auswahl dessen, was Eldur bereits geleistet hat.

 

Angefangen hatte alles mit Næla frá Skarði. Styrmir Arnason zeigte Nadja und Ralf damals ein Verkaufsvideo und direkt danach fuhren sie hoch zu Ostsee. Sie kauften die Stute hatten schon bald danach ein Sport A Pferd unter dem Sattel. „Næla war sehr erfolgreich und als Styrmir uns erzählte, dass es vielversprechende Nachkommen von ihr geben würde, konnten wir gar nicht schnell genug im Auto sitzen“, erzählt Ralf rückblickend. Schon kurz darauf trat der damals dreijährige Hengst Eldur seine Reise zu den Wohllaibs an. Die anfängliche Hengsthaltergemeinschaft gemeinsam mit Styrmir Arnason wurde mittlerweile aufgelöst– Eldur steht ganz im Besitz von Nadja und Ralf. Mit gerade einmal sechs Jahren erreicht Eldur dann Sport A Niveau. Besonders im Pass war und ist er ein Ausnahmetalent. „Das lief anfangs aber nicht immer glatt“, sagt Nadja, „Wir haben Eldur immer viel Zeit im Training gegeben, das hat alle Schwierigkeiten beseitigt.“

Mittlerweile ist er achtzehn Jahre alt und noch immer fit. „Eldur wird nach wie vor regelmäßig trainiert: Jetzt im Winter liebe ich die zwei- bis dreistündigen Ausritte mit ihm“, erzählt Nadja. Die Arbeit im Gelände schule besonders die Kondition und die Muskeln des Pferdes. „Je näher die Turniersaison rückt, desto mehr fokussieren wir uns dann wieder auf die Feinheiten und die Technik“, sagt Ralf Wohllaib, „Dann wird auch wieder mehr auf der Bahn oder im Viereck geritten.“

 

Aber ganz egal worum es geht– Eldur hat immer Lust zu arbeiten. „Er freut sich auf jeden Ritt und ist fast schon enttäuscht, wenn ich ein anderes Pferd aus dem Stall hole“, sagt Nadja.  Seine absolute Leistungsbereitschaft heben ihn von anderen Pferden ab. Neben dem Sport war der Hengst auch in der Zucht aktiv. Das aber vermehrt in seinen jungen Jahren in Holland, als er noch nicht unter dem Sattel war. Daher stammen viele seiner Nachkommen aus seiner Zeit in Aldenghoor. „Bei uns hat Eldur in regelmäßigen Abständen an der Hand gedeckt– aber nie so viel wie damals. Heute freuen wir uns jedes Mal, wenn uns auf dem Turnierplatz ein Nachkomme von ihm begegnet.“

 

In Zukunft soll Eldurs Leben etwas ruhiger werden. „Für uns ist es einfach eine Ehre mit ihm zu arbeiten“, sagt Ralf. Wenn er Lust habe, dürfe er auch weiterhin mit auf Turniere. Das sei bei seiner Lust auf die gemeinsamen Ritte und bei seinem Temperament ohnehin nicht anders möglich. Nadja und Ralf bringen ihre Liebe zu dem Fuchs in einem Satz auf den Punkt: „Wir sind unendlich dankbar ihn in unserem Leben zu haben.“

 

Ein Bericht von Leonie Merheim.

 

Anmerkung: Der Bericht stammt von Anfang 2017. Leider hat dieses tolle Pferd die Welt viel zu früh, auf tragische Weise, am 02.06.2017 verlassen.

Fáni frá Hafsteinsstödum

 

 

 

Als er im Januar 2016 verstarb herrschte in der Islandpferdeszene traurige Stimmung. Die Rede ist von Fáni frá Hafeinsstödum. Der Schimmel ist allen im Islandpferdesport ein Begriff– kein Wunder, denn er prägte die Zucht über mehrere Jahrzehnte.

 

Damit hat sein Besitzer Karly Zingsheim anfangs sicher nicht gerechnet. „Als er damals auf dem Landsmót lief, fiel er mir nicht auf“, erinnert Zingsheim sich. Dieser Eindruck sollte sich kurz darauf ändern. „Als ich ihn in der Box stehen sah, wirkte er wie ein nettes Pony, aber nichts Besonderes“, erzählt er, „Dann setzte ich mich auf ihn drauf– das ist für mich bis heute unvergessen.“ Sofort zeigte Fáni was er konnte: Er lief fleißig vorwärts und schaltete von einem Gang in den nächsten.

 

Karly Zingsheim erkannte das Potential des Hengstes und kaufte ihn 1995. So trat Fáni seine Reise von Island nach Deutschland an– mit dem Zwischenstopp bei der Weltmeisterschaft- als bis dahin teuerstes importiertes Pferd. Bevor er also ins Rheinland zog, wurde Fáni erst noch Weltmeister der sechsjährigen Hengste in der Zucht– der Beginn einer großen Karriere.

 

Fáni deckte pro Jahr etwa 30-40 Stuten und sorgte so für unzählige Nachkommen mit LK1-Niveau und Elite-Zuchtpferde. Seine Gene führten immer zu Pferden mit viel Tölt, klarer Gangtrennung und einem liebenswerten Charakter. Mit dem Decken war der Hengst jedes Jahr aber auch gut beschäftigt. Besonders, weil Fáni einer Eigentümergesellschaft von 30 Personen gehörte und jeder seine Zuchtanteile so oft es ging einsetzen wollte. Das hatte den Nachteil, dass der Hengst kaum im Sport laufen konnte.

Als er aber Jahre später auf Turnieren vorgestellt wurde, erzielte er auch dort unglaubliche Ergebnisse. Sofort holte der Hengst die Qualifikationen für Sport A und war kurz darauf auf der Weltmeisterschaft 1999 Finalist im Fünfgang. Den Pass lief Fáni so, wie er früher geritten wurde. „Das war noch richtiger Pass“, erinnert sich Zingsheim. Den habe er auch an viele Nachkommen vererbt– wenn die das richtige Temperament dazu haben. Diesen Pass durfte er auch noch einmal in Berlin bei seinem Auftritt bei den "Old Heroes" zeigen.

 

Sein liebster Ort war die Ovalbahn aber nicht. „Fáni lief viel lieber draußen“, sagt Karly Zingsheim, „Er konnte unglaublich rennen: Viele Pferde galoppierten, wenn er trabte oder töltete.“

 

Fáni war also ein echtes Allround-Talent– egal ob in der Zucht, im Sport oder im Gelände. Durch seine erfolgreichen Nachkommen hat sich der schöne Schimmel für immer unvergesslich gemacht. Fáni wird uns als einer der ganz Großen der Islandpferdeszene in Erinnerung bleiben.

 

Ein Bericht von Leonie Merheim.

Anmerkung:

 

Fáni prägte die Zucht wie kein Zweiter. Etliche seiner Nachkommen - wie oben angesprochen- wurden LK 1, bzw. Sport A qualifiziert, sowohl unter Erwachsenen als auch im Jugend und Juniorbereich. Zudem sind viele seiner Nachkommen Elite geprüft. Seine Kinder und Enkel werden die Erinnerung an ihn immer erhalten.

Fáni ist zudem Vater sehr erfolgreicher Pferde, die auf Weltmeisterschaften starteten:

Naepa vom Kronshof - 2005 Weltmeisterin Zucht und 2007 Vize-Weltmeisterin im Fünfgang

Fálki frá Saudarkroki - 2003 Weltmeister im Fünfgang

Freyr vom Nordsternhof - 2009 Weltmeister in der Fünfgangkombination, Vizeweltmeister im Fünfgang und Tölt T2, WM 2007 - Bronzemedaille im Tölt T2, 5. Platz im Fünfgang.
Mehrfacher Deutscher Meister im Fünfgang und Tölt T2.

Seine Tochter Drifa frá Hafsteinsstödum lief am 4. Juli 2007 den Weltrekord im Pass 100 m in 7,18 s.

 

Dökkvi frá Mosfelli

Tiefschwarzes Fell, Langer Behang und treue, aufgeweckte Augen. Dökkvi frá Mosfelli ist ein echter Hingucker-selbst wenn er nur auf der Weide steht. Sieht man ihn dann aber laufen, kann man sich kaum noch von ihm und seinen traumhaften Bewegungen losreißen.


Der 1994 auf Island geborene Hengst ist ein Nachkomme von Orri frá þúfu und Dimma frá Gunnarsholti. Somit fließt gleich das Blut zweier Tophengste durch seine Adern: Neben seinem Vater Orri frá þúfu war auch sein Großvater Hrafn frá Holtsmúla ein sehr erfolgreiches Sportpferd. „Dökkvi ist ein typischer Orri-Nachkomme. Er ist sehr ausgeglichen und brav im Umgang, unter dem Sattel hat er aber einen kernigen Vorwärtsdrang. Das muss ein Sportpferd auch haben-manchmal könnte er dennoch etwas rittiger sein“, erzählt sein Reiter Karly Zingsheim, der Dökkvi bereits mehrfach erfolgreich auf Weltmeisterschaften vorstellte, „Auch seine Mutter Dimma war sehr erfolgreich im Sport. Sie gewann das B-Flokkur des Landsmót. Genetisch hat Dökkvi also die besten Voraussetzungen.“


Und das stellte der Rappe mehrfach unter Beweis. Als er im Alter von sechs Jahren bei der IPZV-Materialprüfung für gerittene Pferde vorgestellt wurde, erhielt er eine Gesamtpunktzahl von 8,48. Nur zwei Jahre später schaffte Dökkvi es bei derselben Prüfung auf die Gesamtpunktzahl von 8,57 zu erhöhen. Auch auf den Weltmeisterschaften 2001 und 2003 zeigte Dökkvi sein sportliches Talent-insgesamt holte er auf beiden Weltmeisterschaften einmal Gold im Freestyle FS1 und zweimal Bronze in der Töltprüfung T1 und im Viergang V1. „Mit Dökkvi gab es gleichzeitig eine neue Entwicklung im Sport. Die Richter wollten das gesetzte Arbeitstempo Tölt sehen-das war für alle neu. Dieses Tempo ist sicherlich eine von Dökkvis Stärken“, erklärt Karly Zingsheim.

                                                 

Dökkvi ist aber nicht nur ein herausragendes Sportpferd, sondern auch ein beliebter Zuchthengst. Rund 170 Nachkommen hat das 21-Jährige Islandpferd bisher. „Früher musste man sich auf Dauer für eine Sache entscheiden-Sport oder Zucht. Ansonsten konnten beide Bereiche negative Auswirkungen auf den jeweils anderen Bereich haben. Dökkvi war in sowohl in der Zucht wie auch im Sport sehr erfolgreich, aber ich habe immer darauf geachtet, dass er sich auf einen Bereich beschränkt, damit er keine Doppelbelastung hat“, sagt Zingsheim, „Heute gibt es durch neue Entwicklungen in der Zucht, wie etwa Frischsperma, kaum noch eine Doppelbelastung für die Hengste.“


Dökkvi hatte seinen letzten großen Auftritt bei den „Old Heroes“ auf der Weltmeisterschaft 2013 in Berlin und erfreute sich an der altbekannten Turnieratmosphäre. Momentan wird er hauptsächlich in der Zucht eingesetzt und freut sich nun auf den Anbruch eines Lebensabschnitts, in dem er entspannt sein Pferdeleben genießen kann.


Ein Bericht von Leonie Merheim.

Feykir von Rinkscheid

 

„‘Das ist ein ganz furchtbares Pferd‘ war das Erste was ich damals über Feykir hörte“, erinnert sich Karly Zingsheim, „Er war ein Nachkomme von Fifi frá Spenstrup und einer Stute, die optisch nicht viel hermachte. Alle Leute mit denen ich über das Pferd sprach wirkten wenig begeistert, aber ich schickte meinen Vater trotzdem hin, da ich damals selbst nicht viel Zeit hatte. Ich hoffte, das Pferd günstig kaufen zu können. Als mein Vater daraufhin zurück kam stand Feykir auf dem Hänger.“

  

Feykir von Rinkscheid wurde 1985 geboren und ist der wohl berühmteste Nachkomme von Fifi frá Spenstrup, einem damaligen Sportpferd von Karly, mit dem er in den 80-er Jahren auf Turnieren startete und seine Karriere als Sportreiter begann. Fifi wurde 1970 in Dänemark geboren und prägte die deutsche Zucht nachhaltig. Seine Nachkommen zeichneten sich durch viel Temperament und Ausstrahlung aus und auch Feykir erbte diese Eigenschaften von seinem Vater.  Dennoch machte er in jungen Jahren ganz und gar nicht den Eindruck als würde aus ihm mal ein sehr erfolgreiches Sportpferd werden. „Feykir war so ein hochsensibles Pferd, weshalb klar war, dass mein Vater ihn nicht würde reiten können. Also trainierte ich ihn, was sich als eine besondere Herausforderung herausstellte. Feykir musste man immer in Lust und Laune halten, da an Arbeit mit ihm sonst nicht zu denken war. Das war aber auch gleichzeitig das Spannendste an der Arbeit mit ihm-sein ausgeprägter Wille“, erzählt Zingsheim. Feykir war das erste Pferd, welches eine 10 für Pass erhielt und jedes Mal explodierte er nahezu. Dieses besondere Talent spiegelte sich auch in seinen sportlichen Erfolgen wider:  Insgesamt wurde Feykir von Rinkscheid dreimal deutscher Meister im Fünfgang und gewann zweimal die T2. Den größten Erfolg feierte Karly Zingsheim dann aber mit diesem Ausnahmepferd bei der Weltmeisterschaft 1997 in Norwegen, als beide im Fünfgang die Goldmedaille gewannen. „Das war eindeutig der schönste Moment, den ich mit Feykir hatte“, sagt Zingsheim rückblickend, „Er war immer so energiegeladen, so etwas habe ich selten erlebt. Optisch war er aber noch ein ‚alter Typ‘, so etwas ist heute auf den Turnieren nicht mehr gefragt- kurze Beine und er war nicht größer als 1,36m.“

 

Auf der Weltmeisterschaft 2013 in Berlin hatte Feykir noch einmal seinen großen Auftritt: Er lief als einer der „Old Heroes“ auf der Ovalbahn auf und genoss die wohlbekannte Turnieratmosphäre. Im Alter von 28 Jahren verstarb das Weltmeisterpferd im letzten Jahr schließlich. Feykir wird vielen in Erinnerung bleiben und hat sich durch seine Erfolge unvergesslich gemacht.

 

Ein Bericht von Leonie Merheim.